SEC in Güstrow war ein Rennen der Emotionen

Ein Rennen der Emotionen hatte der polnische Veranstalter One Sport in seinem professionell gestalteten Programmheft für die zweite Runde der Tauron Speedway Euro Championship in Güstrow angekündigt und genau das prägte den Charakter des Events am Sonnabend. Die 5000 Besucher verfolgten begeistert die beinharten Zweikämpfe mit diversen Positionswechseln bei nicht vorhersehbaren Rennverläufen und bekundeten ihre Anerkennung mit tobendem Applaus für die hohe sportliche Leistung, die von den Piloten dargeboten wurde.

Aber nicht nur die Zuschauer konnten ihren Gefühlen freien Lauf lassen, auch unter den Aktiven gab es Freude über den Erfolg oder Verzweiflung zu beobachten. So kam Jaroslaw Hampel (Polen), Sieger des ersten Laufes im polnischen Gniezno, mit dem Güstrower Oval nicht gut zurecht und wurde teilweise förmlich nach hinten durchgereicht. Erst gegen Ende des Rennens konnte er mit zwei Laufsiegen Schadensbegrenzung betreiben und seine Gesamtführung in der Meisterschaft verteidigen. Noch schlimmer erging es einem der derzeit besten Piloten der polnischen Extraliga. Völlig verzweifelt saß Piotr Pawlicki nach jedem seiner Läufe in der Box, da er überhaupt kein Konzept zu dieser Bahn fand und sich mit insgesamt 3 Punkten begnügen musste. Auch Krzysztof Kasprzak (Polen) und Antonio Lindbäck (Schweden) konnten ihre Fähigkeiten nicht auf das Oval bringen und auch der amtierende Europameister Andzej Lebedevs (Lettland) wirkte mitunter ratlos, noch vor Jahresfrist hatte er das Geschehen an der Spitze mitbestimmt. Selbst Emil Sayfutdinov (Russland) war nach dem Rennen enttäuscht, denn er hätte es gewinnen können. Nach vier Durchgängen führte er die Wertung an und begeisterte mit toller Linienwahl und beeindruckenden Überholmanövern. Allerdings stellte er sich nicht auf die sich verändernden Bahnverhältnisse ein und so blieb für ihn im Finale nur der vierte Platz.

Besser machte es der Däne Mikkel Michelsen, dem seine Schulterverletzung nicht mehr anzumerken war. Er kam, wie schon beim dem Gewinn der Junioren Europameisterschaft, gut mit dem Oval zurecht und konnte sich über das Race off ins Finale fahren, wo er den dritten Platz belegte. Genauso erfreut war sein Landsmann Leon Madsen, der bis auf eine Null-Punkte-Fahrt alle seine Vorläufe gewann, im Finale Zweiter wurde und damit auch den zweiten Rang in der Gesamtwertung einnimmt.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Kai Huckenbeck bei diesem Rennen. Einerseits begeisterte er mit seinem großen Können, scheiterte dann jedoch andererseits knapp am Tagesfinale. „Das war heute nicht mein Bahn, nicht mein Güstrow“, fasste er das Geschehen kurz zusammen. Trotzdem befindet er sich nach diesem Rennen unter den besten fünf der EM und damit auf einem Qualifikationsplatz für das kommende Jahr.

Mit der Veranstalter Wildcard ausgestattet, zeigte Kevin Wölbert, dass er in dieses Feld gehört. „Wir sind heute hart gegeneinander gefahren, aber da hat sich keiner beschwert. So ist das in den internationalen Ligen, die ich gut kenne. So macht es Spaß vor diesem Publikum. Vielleicht wäre noch ein Punkt mehr drin gewesen, aber mit zweimal Startplatz blau war es heute schwer. Insofern bin ich mit meinem Abschneiden zufrieden“, sagte der Deutsche Meister nach dem Rennen und kann nun am 4. August an gleicher Stelle seinen Titel verteidigen.

Den größten Grund zur Freude hatte natürlich der Sieger. Als Nachrücker in die EM gekommen, schwimmt Robert Lambert derzeit auf der Erfolgswelle. Britischer Meister bei den Junioren und Senioren, Vizeweltmeister im Team lauten seine diesjährigen Erfolge. Und da ihn mit Güstrow eine ganz besondere Beziehung verbindet, war dieser Sieg auch mit vielen Emotionen verbunden. „ Es war ein perfekter Tag für so einen Erfolg. Im Training fühlte ich mich noch gar nicht richtig schnell, aber im Rennen passte das Set-up. Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Rennen gewinnen kann. Ich bin so stolz in diesem Moment und danke allen Fans für die großartige Unterstützung“, sage der Sieger nach dem Rennen und ganz sicher hat er mit seiner Fahrweise und seinem Kampfgeist wieder beeindruckt. Ganz besonders wurde dieser Erfolg, weil er sein persönliches Glück in Güstrow gefunden hat. Freundin Jessica fieberte natürlich während des Rennens mit und war danach voller Freude: „Ich bin einfach nur stolz auf ihn. Damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Ich traue ihm das natürlich zu, aber trotzdem erwartet man das ja nicht. Es ist total schön und er hat es verdient. Und dann noch in Güstrow, das macht es umso schöner.“

So war es das Rennen der Emotionen und ein sportlich beeindruckendes Event ohnehin. Die Spitze im SEC ist zusammengerückt, Kai Huckenbeck und Robert Lambert haben in den beiden noch ausstehenden Rennen die Chance unter den besten fünf der EM zu bleiben.

(Text: Gunnar Mörke | Fotos: Frank Hedrich, Daniel Sievers)

Ergebnis SEC – Runde 2 in Güstrow
1. Robert Lambert - 14 (Großbritannien)
2. Leon Madsen - 14 (Dänemark)
3. Mikkel Michelsen - 11 (Dänemark)
4. Emil Sajfutdinow - 11 (Russland)
5. Peter Kildemand - 10 (Dänemark)
6. Kai Huckenbeck - 9 (Deutschland)
7. Vaclav Milik - 8 (Tschechien)
8. Jarosław Hampel - 8 (Polen)
9. Kevin Woelbert - 8 (Deutschland)
10. Andriej Kudriaszow - 8 (Russland)
11. Krzysztof Kasprzak - 6 (Polen)
12. Andreas Jonsson - 6 (Schweden)
13. Andrzej Lebiediew - 5 (Lettland)
14. Antonio Lindbaeck - 4 (Schweden)
15. Piotr Pawlicki - 3 (Polen)
16. Max Dilger - 1 (Deutschland)
17. Josef Franc - 0(Tschechien)
18. Tobias Busch – 0 (Deutschland)

Gesamtwertung nach 2 von 4 Rennen:
1. Jarosław Hampel - 25
2. Leon Madsen - 22
3. Robert Lambert - 20
4. Mikkel Michelsen - 20
5. Kai Huckenbeck - 20
6. Peter Kildemand - 18
7. Antonio Lindbaeck - 17
8. Emil Sajfutdinov - 17
9. Vaclav Milik - 16
10. Krzysztof Kasprzak - 14
11. Andreas Jonsson - 13
12. Andriej Kudriaszow - 13
13. Piotr Pawlicki - 12
14. Andrzej Lebiediew - 10
15. Kevin Woelbert - 8
16. Adrian Gała - 5
17. Robert Chmiel - 1
18. Max Dilger - 1
19. Josef Franc - 0
20. Norbert Krakowiak - 0

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